Der ewig unveränderliche Gott (2)

Der letzte blog über die Beständigkeit Gottes (http://dierkmueller.de/so-genial-ist-gott/der-ewig-unveraenderliche-gott/) zeigte Gott als unveränderlich in Seiner Existenz als Gott und in all Seinen guten Charaktereigenschaften. Gilt dies auch für Gottes Pläne mit dieser Welt? Ändert Gott Seine Meinung? Passt Gott Seine Pläne den ständig wechselnden Plänen des freien Willen von Menschen an?

Instinktiv würden die meisten westlich geprägten Menschen des 21. Jahrhunderts antworten, dass der Verlauf der Weltgeschichte und die Entwicklung der individuellen Schicksale von Menschen zu allererst und ultimativ durch die „freie Willensentscheidung“ des Menschen selbst bestimmt wird. Gott schaut passiv und abwartend zu und greift aktiv nur dann ein, wenn er durch den freien Willen des Menschen eine Einladung und Erlaubnis dazu bekommt. Wenn Gottes Wille und der Wille des Menschen kollidieren, zieht Gott den kürzeren, da er verpflichtet ist, den autonomen Entschluss des Menschen bedingungslos zu respektieren. In allgemeinen Sprachgebrauch hört man deshalb oft von Gottes Plan A und Gottes Plan B. Der Allmächtige hatte eine gute Absicht (A), diese wurde aber aufgrund des freien Entschlusses von Menschen frustriert und deshalb musste Gott Seine eigenen Ziele und Absichten ändern – und versucht nun Plan B umzusetzen – oder Plan C, D, E, F…

Diese Sicht, wie die Gott mit der Welt interagiert, basiert allerdings eher auf einem übertrieben hohen Selbstbewusstsein des Menschen als darauf, wie Gott sich selbst in Seinem Wort offenbart hat. Die Idee der Selbstbestimmtheit des Menschen hat ihre Ursache in der Philosophie der Aufklärung und ist konträr Biblischer Theologie. Wenn Christen instinktiv Gottes Beziehung mit der Welt durch diese Philosophie erklären, liegt dies daran, dass wir in großem Maße durch den aktuellen Zeitgeist mehr geprägt sind als durch eine theozentrische Sicht der Welt. Eines der zentralsten Themen des Alten und Neuen Testaments ist, dass Gott souverän die Welt lenkt – im Bezug auf die Unveränderlichkeit Seiner Pläne heisst dies:
Gott hat in ewiger Vergangenheit in unveränderlichem Ratschluss Seine Vorhaben festgelegt, welche er ausnahmslos durch Seine unendlichen Fähigkeiten umsetzt. Wenn es also im Universum jemanden gibt, der einen freien Willen besitzt, dann ist dies Gott und er hat die Möglichkeit, Seinen Willen (den er nicht ändert) nicht nur weitgehend, sondern vollständig umzusetzen. Wir alle kennen das Gefühl, frustriert zu werden. Wir haben Hoffnungen und Pläne und sowohl Umstände als auch andere Menschen machen uns die Erfüllung unserer Vorhaben zunichte. Dieses Gefühl der Frustration kennt Gott nicht! Teil Seiner unendlichen Freude liegt darin zugrunde, dass Er immer und in allem Seine guten Absichten und Pläne umsetzt. Psalm 33, 10-11 beschreibt, was passiert, wenn Gottes Absichten mit denen der Menschen kollidieren:

Der HERR vereitelt den Rat der Nationen, er verhindert die Absichten der Völker. Der Rat des HERRN besteht ewiglich, seines Herzens Gedanken von Generation zu Generation.

Der Psalmschreiber vergleicht in seinen Versen die geballte Wucht des Willens einer Unmenge von Menschen (Nationen) über einen langen Zeitraum (Generationen) mit der einfachen Absicht Gottes – egal, wie vereint die Kräfte von Generationen und Nationen sind – Gott bekommt Seinen Willen. Er geht in der Konfrontation mit den rebellischen Absichten der Menschen als derjenige hervor, der Seinen guten Willen umsetzt – ob wir das wollen oder nicht.
Psalm 115, 3 beschreibt ebenso die faszinierende Fähigkeit Gottes, dass alles, was er in Seiner Weisheit und in seinen guten Absichten vorhat, zustande kommt:

Aber unser Gott ist im Himmel, was immer Ihm gefällt, das tut er alles.

Ebenso, Nebukadnezar, nachdem er von Gott eines besseren belehrt wurde, wer wirklich die Weltgeschichte regiert, beschreibt den Allmächtigen als jemanden:

… dessen Herrschaft eine ewige ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt; gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind; er verfährt, wie er will, mit dem Heer des Himmels und mit denen, die auf Erden wohnen, und niemand ist, der seiner Hand wehren, noch zu ihm sagen dürfte: Was machst du? (Dan. 4, 34-35)

Gott setzt seinen Willen eben nicht nur im Himmel durch (was zu erwarten wäre), sondern auf gleicher Weise „unter denen, die auf der Erde wohnen.“ Wenn Er mit etwas auf der Erde umsetzen will, gibt es eben niemanden, der Gott daran hindern könnte („seiner Hand wehren kann“) oder denen Gott über Seine Taten Rechenschaft ablegen müsste („was machst du“). Mühelos und mit einem freudigen Lächeln im Gesicht erfüllt Gott seine unveränderlichen Pläne – auch inmitten von Feinden und Rebellen.
Jesaja hat dieselbe Sichtweise eines triumphierenden und nicht frustrierten Gottes:

Denn der HERR der Heerscharen hat es beschlossen, wer will es vereiteln? Seine Hand ist ausgestreckt; wer will sie abwenden? (Jes. 14, 27)

Wenn Gott ein gutes Vorhaben beschlossen hat, wird dies nicht durch den sogenannten „freien Willen“ des Menschen sabotiert. Die Idee, dass Gott einen guten Willen A hatte, dieser aber den veränderten Umständen „menschlichen Nichtmitspielens mit Gottes Willen“ zu Plan B angepasst werden musste, ist ein Mythos. Diese Art von Gott und diese Art von Welt gibt es nicht. Gott ändert Seine Pläne nicht.

Er hat weder die Zukunft falsch berechnet oder eine andere (falsche) Erwartung an die Entwicklung der Weltgeschichte gehabt. Es mangelt Ihm auch nicht an Fähigkeiten, Seine Pläne gegen den Willen der Menschen umzusetzen. Der oft heraufbeschworene Slogan, dass der Mensch entweder frei ist und damit Gottes Willen frustrieren kann oder Gott Seinen Willen bekommt und dann der Mensch eine Marionette ist, ist eine falsche Dichotomie (Einteilung der Möglichkeiten in nur zwei gegensätzlich ausschließliche Optionen). Gott ist größer und komplexer als dieses zu einfache „entweder oder.“ Kann es nicht sein, dass der Mensch eigenverantwortlich handelt (das heisst er hat freien Willen insofern, dass er von außen zu nichts gezwungen wird und er immer nur das entscheidet, wozu er von Herzen zustimmt) und Gott dennoch solch wunderbare Fähigkeiten hat, Seinen Willen trotz des rebellischen Willens der Menschen zu bekommen?

Natürlich werden mit der einfachen Behauptung, dass Gottes Beständigkeit sich auch auf Seinen Willen bezieht, nicht alle theologischen und praktischen Probleme gelöst. „Gott ist unveränderlich in Seinen ewigen Plänen und deren Umsetzung ist sicher“ ist wahr, aber ein Weiterdenken auf spezifische Details notwendig. Trägt meine Sünde dazu bei, dass Gottes Wille geschieht; warum bete ich noch „dein Wille geschehe“ sind Fragen, deren Antwort noch aussteht. Was jedoch bei der Beantwortung solcher Fragen wichtig ist, ist dass die Prämisse, von der wir ausgehen stimmt. Bisher war die Grundeinstellung, dass sich alle diese theologischen Fragen lösen lassen, wenn wir annehmen, dass Gott vor dem freien Willen des Menschen kapituliert, weil er diesen über alles respektiert und Er deshalb oft Seinen Willen nicht umsetzen kann. Diese Grundeinstellung ist aber falsch.

Der einzig wahre Gott ist nicht verdrossen, ernüchtert und frustriert darüber, dass Seine Absichten zwar gut, aber nicht umsetzbar sind. Gott ist größer und faszinierender als diese furchtbare Bild eines Gottes, der jedes mal, wenn ein sterbliches Menschlein etwas anderes will, hilflos die Arme nach obern reißt und mit Seinen Absichten wieder einmal falsch kalkuliert hat. Wenn wir in die Gegenwart Gottes treten, werden wir nicht einen zwar gutmütigen, aber inkompetenten Gott erleben, der voller Trauer darüber ist, dass Menschen alle Seine Intentionen zunichte gemacht haben. Wir treten in die Gegenwart eines Gottes, der den Namen „Gott“ wahrlich verdient hat: jemand, der fähig war, ist und bleibt, gegen alle Opposition Seine Ideen und Seine Pläne perfekt umzusetzen. Meine Kinder lernen gerade schmerzhaft, dass sie nicht jeden Wunsch haben können. Jedes mal, wenn sie merken, dass einfach nicht geht, was sie wollen, erlebe ich ein schreiendes, mit den Füßen stampfendes Mädchen oder Jungen. Ich weiss, dass dies sich gibt und der Mensch lernt, sich mit Enttäuschung und Seiner Begrenztheit zu arrangieren. Gott kennt keines dieser Gefühle! Er ist weder frustriert, noch musste Er sich mit Seiner Begrenztheit abfinden. Er ist der große und faszinierende Gott, der Herzenswünsche hat und genau diese Wünsche mit Berechnung und Beschluss unfehlbar und allumfassend verwirklicht. Seine Wünsche, Pläne und ewigen Ziele sind wie Sein Charakter beständig und unveränderlich. Von diesem Fundament aus muss man sich den anderen Fragen nach dem Zustandekommen von Sünde, den moralischen Erwartungen Gottes an Menschen und dem Gebet „dein Wille geschehe“ widmen anstelle von der zwar einfachen, aber falschen Vorbedingung auszugehen, dass der Mensch einen freien Willen hat und Gott nicht – das heisst, immer wenn der Mensch etwas anderes als Gott will, Gott nachgeben und kapitulieren muss. Muss er nicht und tut er nicht! Und dies ist Teil der Faszination unseres genialen Gottes. Er hat einen Willen. Er hat einen Plan. Und Er ist weise und kompetent genug, Seine Wünsche, Sein Verlangen Wirklichkeit werden zu lassen.

Aber stimmt es denn wirklich, dass Gott Seine Pläne nicht ändert? Hat Gott nicht gesagt, dass er Seine Meinung geändert hat, das Volk zu bestrafen, nachdem Moses um ein Einlenken Gottes gebetet hat (2 Mose 32, 14)? Wenn es Gott „gereut“ hat, dass Er Saul zum König gemacht hat (1 Sam. 15, 11, 35) heisst dies nicht, dass Gott Seine Pläne, wenn er die Zeit zurück drehen könnte, anders gestaltet hätte? Und warum kündigt er durch Jonah die Zerstörung Ninevehs an (Jon. 3, 4) und ändert dann Seine Meinung und vergibt in Gnade (Jon. 3, 10)? Es geht also weiter mit den blogs über die Unveränderlichkeit Gottes…