Wie nah sind wir an der Endzeit? Teil 2

Im letzten blog haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob Christen, die zeitlich besonders nahe am Zeitpunkt der Wiederkunft von Jesus leben, sich darauf speziell vorbereiten sollten oder aufgrund der zeitlichen Nähe zum Ende der Welt aufgefordert sind, außergewöhnlich hingebungsvoll zu leben.

Die Antwort ist, auch wenn es schockierend klingen mag, ein klares, deutliches und biblisches (!) NEIN! Wir haben bereits gesehen, dass ein differenziertes Leben – also ein Leben nach anderen Maßstäben und Kriterien als Christen bisher in den letzten Jahrhunderten gelebt haben- nicht gefordert werden kann, da 1.) kein Christ weiß oder es jemals wissen wird, wann Jesus wieder kommt und es deshalb bis zu seiner Rückkehr nur eine (für alle Generationen) allgemeingültige Erwartung des Lebensstils mit Christus gibt. Und 2.) (entgegen vehementer populärer Aussagen und millionenschwerer Auflagen von „christlichen“ Büchern) es keine besondere „Endzeit“ geben wird, die sich in ihrer Qualität signifikant von den vergangenen zweitausend Jahren abheben wird.

Hier möchte ich meine These mit weiteren Argumenten belegen:

Der Grad an Hingabe und Leidenschaft für Jesus wird nicht durch die zeitliche Nähe seiner Wiederkunft bestimmt, sondern allein durch das Maß Seiner grandiosen Herrlichkeit! Lass mich die Aussage durch ein Beispiel erläutern. Wenn meine Ehefrau mit unseren zwei Kindern zu einem Kurzurlaub zu meinen Schwiegereltern nach Hamburg fährt und ich allein ein paar Tage zu Hause meiner Arbeit nachgehe, wird von mir ein unterschiedliches Maß an Treue zu meiner Ehefrau erwartet, abhängig davon wie weit weg oder wie nah der Zeitpunkt ist, an dem ich sie wieder am Bahnhof erwarte? Selbstverständlich nicht! Meine Liebe und Treue zu ihr wird einzig und allein durch den Wert bestimmt, den sie aufgrund des Ehebundes in meinem Leben hat!

Ebenso ist der Maßstab, wie hingegeben wir für Jesus leben sollen, nicht abhängig wie nah oder wie fern wir von Seinem Kommen sind. Der Maßstab ist allein, wie würdig er unserer Liebe, Treue und Leidenschaft ist. Und weil Christus der großartige Sohn Gottes ist – gleich an Herrlichkeit, Existenz und Ewigkeit mit dem allmächtigen Gott dem Vater – ist das Maß unserer Hingabe zu aller Zeit gleich: Er ist es würdig, dass wir Ihn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Verstand – im ersten Jahrhundert wie im fünften oder einundzwanzigsten!

Das Prinzip, dass die Dimension an Hinwendung, Leidenschaft und Liebe direkt proportional der Würdigkeit des Objekts ist, welches geliebt wird, ist u.a. aus dem „Gebot der Liebe“ ersichtlich. Jesus erläutert dies in Markus 12, 29-31:

„Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und von ganzer Seele und mit ganzem Verstand und mit deiner ganzen Kraft!» Das zweite ist dies: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!»“

Unsere Mitmenschen brauchen wir nicht mit „ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Verstand“ lieben, solcher Hingabe sind sie gar nicht würdig. Es reicht vollkommen aus, sie mit der Intensität zu lieben, mit der jeder von uns sich selbst liebt, denn wir stehen als Menschen alle auf einer Stufe an Würde, Wert und Respekt. Andererseits wäre es eine horrende Beleidigung gegenüber Gott, wenn wir Ihn nur lieben würden, „wie wir uns selbst lieben.“ Er übertrifft in unendlichem Maß den Wert aller Schöpfung. Er ist unendlich großartig in allen Seinen Eigenschaften und die einzig angemessene Art, Seiner unendlichen Herrlichkeit zu begegnen, ist Ihn zu lieben, mit allen Mitteln und Kräften, die uns zu Verfügung stehen. Weniger als „alles für Ihn“ ist völlig unabhängig von der Zeit, in der wir leben, immer Missachtung Seiner phänomenalen Exzellenz. „Alles für Ihn“ ist immer und überall die einzig adäquate Antwort des menschlichen Herzens auf Seine unendliche Großartigkeit.

Deshalb ist es völlig uninteressant und unnötig, Zeit damit zu verschwenden, zu spekulieren, wie nah wir an einer sogenannten „Endzeit“ sind. Die Bibel rät uns an keiner Stelle dazu. Menschen werden es nie korrekt erahnen. Es lenkt nur unsere Kraft und Zeit ab zu Dingen, die nichtig sind im Vergleich dessen, welcher der Fokus unserer geballten Aufmerksamkeit sein sollte.

Ein Gott-wohlgefälliger Lebensstil wird in der Bibel gefordert, weil Jesus wieder kommt, nicht abhängig davon, wann er wieder kommt!

Die Rückkehr von Jesus in diese Welt sowohl als Richter der Menschheit und als überwältigende Hoffnung für diejenigen, die Ihm vertrauen (2 Thes. 1, 6-10) wird oft im Neuen Testament als Motivator präsentiert, moralisch nobel für Christus und Ihm mit Freude dienend zu leben (Mar. 8, 38; 1. Kor. 1, 7-8; 1 Kor. 15; 1. Thes. 5, 1-10; 2. Tim. 5, 8; 2. Pet. 3, 10-14). Wenn in den Schriften der Apostel eine logische Schlussfolgerung gezogen wird von der Tatsache, dass Jesus zurück kommt zu Anweisungen, wie man sein Leben in Anbetracht des kommenden Christus gestalten soll, liegt der Fokus immer (!) auf der Genialität des Charakters Seines Wiederkommens, nie auf dem zeitlichen Aspekt, wann dies geschieht. Sprich, es ist den Schreibern des NT nicht wichtig, wann Jesus kommt, sondern dass Sein Kommen gleichzeitig so furchteinflößend und so attraktiv sein wird, dass es selbstverständlich ist, alles zu tun, um vor dem erhabenen Herrn der Herrn moralisch angenehm zu erscheinen. Sowohl die ethischen Anweisungen, als auch die Motivation, was der Christ gewinnt, wenn Sein Herr in Macht und Herrlichkeit erscheint, waren für alle Gläubigen der Kirchengeschichte gleich und werden bis zur letzten Stunde dieser Welt gleich bleiben. Gottes Maßstäbe an uns werden sich innerhalb einer „Endzeit“ nicht ändern, sie sind und bleiben die guten alten Worte, die wir von den Aposteln seit 2000 Jahren kennen.

Die Befähigung, für Gott zu leben schöpft jeder Christ zu jeder Zeit aus derselben Quelle.

Christen leben mit und für Gott in guten und schwierigen Zeiten nicht aufgrund eigener Kraft, sondern infolge von Gottes Gnade, die im Gläubigen wirkt. Diese göttliche Befähigung für Gott begeistert zu leben (1 Kor. 15, 10) existiert im Leben eines Christen nicht durch einen stillen Automatismus – die Gnade, Gott-gefällig zu leben, wird dem Gläubigen durch Wege bzw. Mittel zur Verfügung gestellt. Petrus beschreibt, dass die Dynamik, welche Kraft freisetzt, Sünde zu überwinden und enthusiastisch für Christus zu leben das direkte Resultat davon ist, Jesus zu kennen und Seine Verheißungen der Zukunft freudig für sich selbst ergriffen zu haben:

„Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit und Tugend, durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben, das durch die Begierde in der Welt ist, entflohen seid…“ (2. Pet. 1, 3-4)

Petrus ist sich sicher, dass „Jesus kennen und Seine Verheißungen zu genießen,“ ausreichen, um dem Christen alle notwendige Kraft zu geben, in einer Welt von Versuchung, Verfolgung und Schwierigkeiten leidenschaftlich für Jesus zu leben. An diesem Weg, wie Gott es in uns bewirkt, dass wir gern für Ihn da sind, wird sich auch in der „Endzeit“ nichts ändern: Jesus wird sich nicht ändern. Ihn zu kennen wird heute nicht anders aussehen, als 2 Minuten bevor Er mit Posaunenschall und Engelsheeren erscheint. Gottes Verheißungen für die umwerfende Zukunft Seiner Kinder ändern sich nicht: sie werden kaum weniger werden für die Menschen, die „in der Endzeit“ leben, noch können sie erweitert, werden, denn Gott denen, die Seinem Sohn vertrauen, nichts, aber auch wirklich nichts vorenthalten, was anderen Menschen zusätzlich versprochen werden kann.

Es wird auf die „Endzeit“ keine besondere Vorbereitung notwendig sein, noch geben können. Der Christ im Jahr X-1 wird auf dieselbe Art seine Beziehung mit Gott leben, wie alle Generationen an Gläubigen seit dem ersten Jahrhundert auch.

Wer gern noch eine kleine Überraschung haben möchte, wie sich Gott vorstellt, dass Seine Kinder in der Endzeit leben sollen, hier eine kleine Kostprobe:

„Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid deshalb diszipliniert und klar in eurem Denken, so dass ihr euch von nichts vom Beten abhalten lasst. Vor allem aber bringt einander eine tiefe und herzliche Liebe entgegen, denn »die Liebe«, so sagt uns die Schrift, »deckt viele Sünden zu«. Seid gastfreundlich gegenüber euren Geschwistern; nehmt sie gern und ohne zu murren auf. Jeder soll den anderen mit der Gabe dienen, die er von Gott bekommen hat.  (1. Pet. 4:7-10).

Wer hätte das gedacht. Im Angesicht der „Endzeit,“ „der großen Trübsal,“ und des „Antichristen“ schreibt Petrus im Auftrag Gottes:

keine Anweisung auf die Zeichen der Zeit, insbesondere des Staates Israel, zu achten;

keine Anweisung, herauszufinden, wer „das Tier“ ist oder wie man sich gegen einen Mikrochip mit der Zahl 666 wehren kann;

keine Anweisung, genügend Lebensmittel zu horten oder viele Endzeitbücher zu lesen;

keine Anweisung, prophetisch begabten Menschen zuzuhören, die vor der Endzeit warnen, etc.

Anstelle dessen sind Markenzeichen des Lebens echter Christen in der Endzeit:

– Gastfreundschaft! (1 Pet. 4, 9). Nicht vorzustellen: Christen in der Endzeit laden Asylbewerber in ihrem Land in ihre Wohnung zum Abendbrot ein!

– Herzliche Liebe in der Gemeinde! (1 Pet. 4, 8) Kaum auszudenken: Christen in der Endzeit schreiben nicht auf www.dasistdasende.blog.de, sondern staubsaugen für die Omis in der Gemeinde die Wohnung, Babysitten die Kinder am Hochzeitstag der Eltern, stecken dem Arbeitslosen in der Gemeinde einen Briefumschlag mit 50 Euro in den Briefkasten!

– Freudiger Dienst in der Gemeinde! (1 Pet. 4, 10) Christen in der Endzeit predigen, prophezeien, leiten, gestalten Webseiten und bauen Gemeinde!

– Scharfes Denken führt zu leidenschaftlichem Gebet! (1 Pet. 4, 7). Unfassbar: anstelle, sich von einer theologischen Modewelle nach der anderen hinreißen zu lassen, sind Christen scharfe und klare Denker, die wissen, was Gott auf dieser Welt erreichen will und sie beten dafür mit leidenschaftlicher Intensität.

Ich kenne dies alles von meiner Gemeinde. Ich glaube, ich lebe in der Endzeit!