Entdeckungen im Kolosserbrief

Am Anfang dieses Semesters haben meine Taiwanesischen Studenten jeweils zwei Texte aus dem Kolosserbrief zugeteilt bekommen, über welche sie im Laufe der nächsten vier Wochen predigen werden. Der Schock dieser jungen Männer und Frauen, dass sie sich im Seminar „Predigen zur Herrlichkeit Gottes“ keinen (Lieblings-) Text aussuchen konnten, sondern sie sich strikt an einen ihnen zumeist völlig fremden Text halten müssen, saß tief. Ratlose Gesichter schauten verzweifelt in die Seiten der Chinesischen Bibel auf der Suche nach Indizien für sinnvolle Predigtaussagen. Inzwischen ist die Panik der Begeisterung gewichen und voll gekritzelte Seiten werden mittlerweile gedreht, gewendet, gekürzt und reorganisiert.

Einer der wichtigsten Dinge, welche zur Phase der beflügelten Inspiration der Studenten geführt hat, war das gemeinsame Studieren des Biblischen Textes des Kolosserbriefes auf der Suche nach der ursprünglichen Intention des Autors. Den entscheidenen Einfluss auf beim Finden von Sinn und Bedeutung des Briefes von Paulus war dabei das Chinesische Wort wisoomaa – deutsch: warum?! Die Frage beim Studium des Bibeltextes ist nämlich nicht nur was schreibt Paulus, sondern warum schreibt er es? Warum betet Paulus zwei lange Gebete (Kol. 1, 9-12; 2, 1-2) und warum erzählt er, was Epaphras betet (Kol. 4, 12)? Warum schreibt er den Kolossern, dass Hoffnung im Himmel aufbewahrt ist (Kol. 1, 5) und warum nennt er sich am Anfang des Schreibens „Apostel“? Warum, warum, warum hat dazu geführt, dass wir – die Studenten und ich – gemeinsam einige Entdeckungen im Kolosserbrief gemacht haben, welche geholfen haben, den Brief als ganzes zu verstehen und die Relevanz für unseren eigenen Weg mit Gott zu entdecken.

Mit den folgenden Beiträgen „Entdeckungen im Kolosserbrief“ möchte ich den deutschen Lesern einige Impulse für das Selbststudium des Kolosserbriefs weiter geben. Ich bete für euch, dass beim Suchen nach mehr Wissen darüber, wer Gott ist; was er in eurem Leben getan hat und welches großartige Ziel er mit eurem Leben verfolgt, Er selbst euch mit Erkenntnis geistige Weisheit und Verständnisses füllt (Kol. 1, 9). Viel Freude auf eurer eigenen Entdeckungsreise im Brief des Paulus an die Kolosser.

Das große ganze – und der Hintergrund des Briefes

Jeder Brief von Paulus ist eine Aneinanderreihung von Argumenten, die alle miteinander logisch so kohärent verbunden sind, dass sie zusammen zu einer großen Argumentationsabsicht beitragen. Um die große Argumentation des Briefes als ganzes nachzuvollziehen, muss man die einzelnen Teile (also die einzelnen Verse und ihre Bestandteile) verstehen. Der Sinn der einzelnen Teile des Briefes wird jedoch erst klar, wenn man die Gesamtargumentation erkennt und erklären kann, wie die einzelnen Teile zur Gesamtargumentation beitragen. Wie man leicht merkt, das Problem bei der Interpretation eines Briefes ist, wo man anfängt, sich einzuarbeiten, um sowohl die einzelnen Verse als dann auch den Brief als ganzes zu verstehen.

Vielleicht ist es am sinnvollsten für den anfänglichen Leser erst einmal den gesamten Brief von vorn bis hinten an einem Stück durchzulesen und trotz (wahrscheinlich) vieler nicht verstandenen Abschnitte fest zu halten, was man über den Sinn und Hintergrund des Briefes verstanden hat. Beim Kolosserbrief mit seinen nur vier Kapiteln ist das in ca. 20 Minuten recht rasch erledigt.

Folgende leicht nachvollziehbare Sachverhalte fallen dabei auf:

a) Die Kolosser sind aufrichtige Christen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen. („da wir von eurem Glauben an Christus Jesus gehört haben und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt…“ Kol. 1, 4)

b) Paulus korrigiert im Kolosserbrief nicht die Glaubensinhalte oder den praktischen Lebenswandel der Adressaten – wie zum Beispiel in den Korintherbriefen. Der überwiegende Ton ist nicht „ihr müsst etwas ändern“ (wie in den Korintherbriefen), sondern „bleibt an dem dran, was ihr ursprünglich gelehrt bekommen habt“ (Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, fest verwurzelt und gegründet in ihm und befestigt im Glauben, genau so wie ihr [bereits] gelehrt worden seid…“ Kol. 2, 6-7).

c) Die Herausforderungen der Gemeinde haben ihre Ursache in falscher Lehre, welche von Leuten außerhalb der Gemeinde an die Christen heran getragen wird. Es sind also keine Christen in der Gemeinde, welche Irrlehre verbreiten, sondern Menschen, die überhaupt nicht zur Gemeinde gehören, welche die Christen verunsichern. („Passt auf, dass niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen…“ Kol. 2, 8). Wie wir später sehen werden, sind diese Irrlehrer Juden, welche behaupten, dass nur das Halten der Mosaischen Gesetze zu einem Teilhabe an Gottes zukünftigem himmlischen Erbe befähigt („So verurteile euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats…“ Kol. 2, 16).

d) Die falsche Lehre, welcher denen die Kolosser ausgesetzt waren, hat zu einer Zuversichtskrise der Christen geführt. Das heißt, die Kolosser sind sich nicht mehr sicher, ob ihr bisheriger Glaube ausreichend ist, um eines Tages „den Himmel zu erben“ oder ob sie nicht doch Teile der (falschen Lehre) annehmen und umsetzten sollten, um vollständige Annahme von Gott zu erhalten („Denn ich will, dass ihr wisst, welch großen [Gebets-]Kampf ich für euch habe und für die in Laodizea und alle, die mein leibliches Angesicht nicht gesehen haben, damit ihre Herzen ermutigt werden… zu allem Reichtum an Gewissheit des Verständnisses… Dies sage ich aber, damit niemand euch verführe durch überredende Worte.“ Kol. 2, 1-2).

e) Die Lösung der Unsicherheit liegt in der Aufforderung an die Kolosser, sich „nicht verrückt machen zu lassen“, sondern sich daran zu besinnen, wer Jesus Christus ist und was er für sie getan hat. Wenn die Christen sich an die Großartigkeit von Christus und an sein einmaliges Werk am Kreuz erinnern, wird klar, dass der herausragende Christus ausreicht für das „zukünftige erben des Himmels“ und dass die Lehre, die von außen kommt, mit der erhabenen Vorrangstellung von Christus nicht vereinbar ist (Kol. 1, 15-22; 2, 9-15).

f) Dem linguistischen Fachmann fällt auf, dass die tragende Bildersprache des Kolosserbriefes die Sprache des Erbrechts ist. Paulus verwendet in seinen verschiedenen Briefen unterschiedliche Bildersprache, um seine Theologie zu verdeutlichen (Römerbrief = Gerichtssprache; Korintherbrief = Sklavensprache; Epheserbrief = Bausprache; Philipperbrief = Militärsprache, etc.). Im Kolosserbrief ist die Sprache des Erbrechts die dominierende linguistische Metapher (Kol. 1, 12, 13, 28; 2, 8, 14; 3, 11), welche Paulus benutzt, um die Kolosser zu ermutigen, dass Christus sie bereits voll erbberechtigt hat.

Mit diesen ersten Hintergrundinformationen können wir uns den ersten Zeilen im Kolosserbrief widmen, und zwar dem Grußwort in Kol. 1, 1-2 und dem Dankgebet in Kol. 1, 3-8.

Paulus, Apostel von Christus Jesus durch den Willen Gottes und Timotheus, der Bruder, an die, welche in Kolossä [wohnen], an die heiligen und treuen Brüder in Christus: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater!

Wir danken fortwährend Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, wenn wir für euch beten, 4 da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, 5 wegen der Hoffnung, die für euch in den Himmeln aufbewahrt ist, von welcher ihr habt ihr zuvor gehört im Wort der Wahrheit – nämlich des Evangeliums, 6 das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt und wächst, wie auch unter euch von dem Tag an, da ihr [folgendes] gehört und erkannt habt: die Gnade Gottes [und ihr habt es gehört und erkannt] in der Wahrheit. 7 Genau wie ihr es auch gelernt habt von Epaphras, unserem geliebten Mit-Sklaven, der ein treuer Botschaftsüberbringer des Christus für euch ist, 8 der uns auch eure Liebe im Geist verkündet hat.

Kol. 1, 1-8 (meine Übersetzung)

 

Das Präskript (Grußwort)

Die Anfänge von Griechisch-Römischen Briefen im Altertum beginnen meist mit dem Nennen des Absenders, des Empfängers und eines kurzen Grußes (siehe zum Beispiel die Form eines typischen Griechisch-Römischen Briefes in Apg. 15:23). Paulus übernimmt dieses gebräuchliche Muster „A an B, Grüße“ und erweitert es mit qualifizierenden Worten oder Satzteilen. Dabei wählt er wie er sich selbst und seine Empfänger beschreibt, als auch das Grußwort sorgfältig aus, um gleich von Anfang an die wichtigsten Themen des folgenden Briefes anzudeuten und bereits im Grußwort theologische Aussagen zu treffen.

Paulus, Apostel von Christus Jesus durch den Willen Gottes…

Paulus bezeichnet sich nicht in jedem seiner dreizehn Briefe im Präskript als Apostel. Im Philipperbrief bezeichnet er sich einfach als „Sklave Christi“ und im der Korrespondenz an die Thessalonicher nennt er nichts weiter als seinen Namen Paulus. Wenn Paulus den Titel „Apostel“ anführt, tut er dies in den verschiednen Briefen mit unterschiedlichen Zielen. Das Wort beinhaltet als Bezeichnung seiner autoritativen Funktion als Repräsentant des auferstandenen Christus. Ein Apostel (im Sinne eines Gesandten) spricht und handelt in seiner Funktion als Botschaftsübermittler wie der Sender selbst. Mit dem Titel nimmt Paulus für sich in Anspruch dass er mit derselben Autorität dieselbe Botschaft vermittelt als wenn Jesus Christus persönlich anwesend wäre. Das Ziel der „Selbst-titulation“ ist dabei nicht egoistisch: Paulus zieht keine persönlichen Vorteile aus dem Titel und benutzt ihn weder um Anerkennung, Ehre oder sonstige Bevorzugungen in Anspruch zu nehmen (1 Kor. 4, 9). Dass Paulus gleich am Anfang klar macht, dass er mit apostolischer Autorität spricht, soll durchaus implizieren (wie zum Beispiel im 1 Korintherbrief), dass der folgende Inhalt des Briefes nicht diskutable Privatmeinung ist, sondern eine Verpflichtung des bedingungslosen Gehorsams beinhaltet, da in diesem Fall Paulus spricht, als wenn der Herr (der unseren vorbehaltlosen Gehorsam verdient) selbst sprechen würde.

Hier im Kolosserbrief verwendet Paulus aber seinen Titel weder als Mittel, um Unterordnung zu ethischen oder theologischen Aussagen zu erwirken, noch um sich in einem Streit seine Berufung gegen bitteren Widerstand seiner apostolischen Autorität zu verteidigen. Die Verwendung hier hat für die Kolosser einen positiven Tenor. Sie hören eine apostolische Stimme – und das ist Privileg! Es ist eine Bestätigung, dass in ihrer Unsicherheit, was denn das wahre und vollständige Evangelium ist, sie eine verlässliche und autoritative Stimme hören können. Wenn jemand Christus und damit Gottes Sicht der Dinge repräsentiert, dann ein Apostel – und seine Stimme und damit die des auferstandenen Herrn ist in dem folgenden Brief zu hören.

Der Ausdruck „durch den Willen Gottes“ als Nachsatz der Beschreibung für „Apostel“ erinnert an die übernatürliche Berufungsgeschichte des Paulus in Apostelgeschichte 9 und verstärkt die Zusicherung an die Kolosser, dass sie mit Paulus die verlässliche Stimme Gottes hören. Die Bekehrung vom Christenverfolger und Mörder zum enthusiastischen Prediger und Apostel des Glaubens, der dadurch unwahrscheinlich viel Leid ertragen musste, konnte nur durch eine Begegnung mit dem auferstandenen und erhöhten Christus begründet sein und beinhaltete eine fehlerlose Offenbarung der wahren Botschaft Gottes (Gal. 1, 1-2, 11-24). Gottes Wille den Apostel zu berufen beinhaltet eine Versicherung, die verlässliche Botschaft von Christus durch ihn zu hören. Vielleicht kann man sich den Effekt der Wortwahl des Paulus so vorstellen, dass die ersten Kolosser erleichtert sagen „ah, danke Paulus an die Erinnerung. Du bist ein Apostel. Du musst es wissen. Christus hat dich beauftragt. Deine Stimme zählt. Deine Botschaft ist das wahre Evangelium“.

Dass Paulus Christus vor Jesus in der Bezeichnung „Apostel von Christus Jesus“ setzt, legt die Betonung auf „Christus“ – gemeint ist dabei nicht der Nachnahme von Jesus (es ist kein Nachname), sondern der Inhalt des Titels. Die ersten Christen drückten damit aus, dass die großartigen (messianischen) Verheißungen über den kommenden Davidischen König in Jesus von Nazareth erfüllt worden sind (siehe z.B. Apg. 2, 34-36; 2 Kor. 1, 19-20). Paulus bringt mit diesem Titel im Präskript schon ein wenig der Betonung seiner Theologie nach vorn in den Brief. Anstelle zu schreiben, ich bin ein Apostel von Jesus – erinnert Paulus die Kolosser daran, dass Christus bedeutet, dass Gott Verheißungen in Ihm – dem Messias – erfüllt und nur in ihm. An den prominenten Stellen im Text wird Paulus den Titel „Christus“ vor „Jesus“ oder „Jesus Christus“ vorziehen, jedes Mal mit der im Titel innewohnenden Idee der erfüllten Verheißung im Messias. (siehe z.B. Kol. 2, 5 „ich freue mich… die Festigkeit eures Glaubens an Christus zu sehen“; Kol. 2, 8 „Passt auf, dass euch niemand versklavt nach… leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß; Kol. 2, 17 „[diese Alttestamentlichen Speiseregeln und Feste] sind ein Schatten der künftigen Dinge, die Substanz [selbst] aber ist des Christus“.

an die heiligen und treuen Brüder in Christus…

Mit diesen Worten beginnt Paulus eine ganze Reihe von Bestätigungen der Kolosser. In ihrem Zweifel, ob sie denn auch die echte Botschaft glauben und vielleicht nicht doch, den jüdischen Stimmen nachgeben sollen, das Mosaische Gesetz zu halten, erinnert Paulus die Kolosser, dass sie „Heilige“ sind. Heiligkeit hat erst in zweiter Linie etwas mit moralischer Aufrichtigkeit (und überhaupt nichts mit dem Römisch-Katholischen System der Heiligsprechung zu tun). In erster Linie bedeutet heilig zu sein, von Gott zu Ihm und Seinen Zwecken abgesondert zu sein. Das Wort „heilig“ oder „Heilige“ wurde im Alten Testament für die Menschen im Bundesvolk Israels benutzt (2 Mose 19, 6). Mit der Bezeichnung von Heiden, die zum Glauben an Christus gekommen sind als „Heilige“ bezieht Gott Heidenchristen in die alttestamentliche Verheißung ein – es sind jetzt die Nachfolger des Christus, welche das heilige Volk Gottes darstellen. Der Ausdruck an dieser Stelle des Briefes ermutigt die Kolosser, dass sie durch ihren Glauben an Christus bereits „drin“ sind – im heiligen Gottesvolk – und jüdische Gesetze nicht mehr der konstutierende Faktor dafür sind, wer als abgesondert zu Gott gehört und wer nicht.

Paulus identifiziert auch Empfänger seiner anderen Briefe als „Heilige“, die Beschreibung der Adressaten als „treu“ ist jedoch ungewöhnlich. Der Ausdruck ist ein echtes Kompliment für ihre theologische Standfestigkeit inmitten von Widerstand. Paulus verteilt mit dem Lob keineswegs sarkastische Andeutungen und Warnungen im Sinne dass er eigentlich sagen will, dass sie untreu waren und sich der Philosophie der Irrlehrer hin gegeben haben (Kol. 2, 8). Paulus verfolgt im Kolosserbrief keinen ironischen Schreibstil (wie im ersten Korintherbrief). Wenn er die Kolosser ernsthaft warnen hätte wollen, hätte er es direkt sagen können (wie im Fall der Galater). Epaphras, Tychicus und Onesimus sind alle (wie die Kolosser) ernsthaft treu (Kol. 1, 7; 4, 7, 9) und auch hier haben wir ein von vielen Bestätigungen in Kol. 1, 1-8, welche die Kolosser realisieren lassen sollen, dass der Apostel von Christus sie bereits als treu und heilig ansieht. Es ist eine Bestätigung ihres gegenwärtigen Glaubenslebens.

Weiterhin bezeichnet Paulus die Kolosser als „Brüder“. Dieser Ausdruck wird in vielfältiger Weise in der Griechisch-Römischen Antike benutzt. Abgesehen davon, dass es zum Beispiel auf den Lippen von Generälen die Beschreibung seiner liebgewordenen Soldaten- “Familie“ ist (siehe in diesem Sinn in Phil. 2, 25) und in Griechisch-Römisch heidnischen religiösen Vereinigungen für „Glaubensbrüder“ benutzt wurde, scheint Paulus hier die Verwendung unter Juden, die einander als „Brüder“ ansprachen (Apg. 2, 29, 37; 3, 17; 7, 2, 26; 13, 15) als Hintergrund für seine Applikation des Begriffs zu verwenden. Die Kolosser sind echte „Brüder“ geworden und deshalb als echter Teil des Haushaltes Gottes implizit gleichberechtigte Erben der Glaubensgemeinschaft (siehe Eph. 2, 12-13).

Mit dem Gruß „Gnade euch und Frieden…“ verändert Paulus das in alltäglichen Briefen verwendete „Gruß“ (gr. chairein) in „Gnade“ (gr. charis). Es ist eindeutig eine Aussage, dass die primäre – alles charakterisierende Eigenschaft Gottes – mit welcher er den Kolossern begegnet „Gnade“ ist. Die Gnade Gottes ist die alles-definierende Existenz der Christen in Kolossä und mit dem typisch Hebräischen Gruß „Frieden“ (hebr. shalom) verdeutlicht Paulus dass die traditionelle Hoffnung des Hebräischen Gottesvolkes auf eine Ära des Friedens (wo Gottes Volk von seinen Feinden befreit wird und geistiges und materielles Wohlergehen genießt) in Christus angebrochen ist.

Die Aufeinanderhäufung von Bestätigung nach Bestätigung setzt Paulus in seinem Dankgebet in Kol. 1, 3-8 fort. Aber dazu mehr in der Fortsetzung…